Boris

Warum Aikido?“ – Das war die erste Frage, die Andy mir damals gestellt hat.

Meine Antwort war damals ziemlich einfach: Ich wollte schon immer Aikido trainieren, hatte aber leider nie die Möglichkeit, diesen Wunsch zu verwirklichen.

Wie wenig ich damals doch wusste …

Wenn mich heute jemand fragt, warum ich Aikido mache, könnte ich so viel mehr erzählen. Dabei ist mein Aikido-Weg bisher noch gar nicht so lang. Und trotzdem hat sich meine Sicht auf vieles bereits verändert.

Für mich ist Aikido vor allem eine Herausforderung an mich selbst. Bei uns gibt es keinen Wettkampf, keine Pokale und keine Gewinner oder Verlierer. Der einzige Gegner bist du selbst – zumindest sehe ich das so.

Bei jedem Training lerne ich etwas Neues. Und damit meine ich nicht nur Techniken, Bewegungen oder neue Abläufe. Ich lerne auch, geduldig zu sein, meine eigenen Grenzen zu akzeptieren und mit Fehlern umzugehen. Ich lerne die Kunst, wieder aufzustehen, wenn etwas nicht klappt, und es einfach noch einmal zu versuchen.

Denn nicht immer gelingt alles auf Anhieb. Manchmal braucht man mehrere Anläufe, manchmal einen Schritt zurück, um danach wieder zwei Schritte nach vorne zu machen. Und vielleicht ist genau das ein Teil von Aikido: Nicht aufzugeben, sondern seinen eigenen Weg weiterzugehen.

Aikido schenkt mir Ruhe, Konzentration und innere Stärke. Dinge, die ich im Alltag sehr gut gebrauchen kann. Als Papa von zwei Kindern weiß ich diese Momente ganz besonders zu schätzen. Zwischen Familie, Alltag und all den kleinen und großen Herausforderungen ist das Training für mich ein Ort, an dem ich zur Ruhe kommen, abschalten und neue Kraft sammeln kann.

Aber ich glaube, das Schönste daran ist, dass Aikido nicht einfach an der Dojo-Tür endet. Was ich auf der Matte lerne, nehme ich mit in meinen Alltag: mehr Geduld, mehr Gelassenheit, mehr Respekt und vielleicht auch einen etwas anderen Blick auf schwierige Situationen.

Ich weiß, dass mein Weg noch ganz am Anfang steht. Es gibt noch so viele Techniken zu lernen, so viele Dinge zu verstehen und sicher auch viele Momente, in denen ich an meine Grenzen stoßen werde.

Aber genau das macht es für mich aus. Ich muss nicht der Beste sein und mich nicht mit anderen vergleichen. Ich möchte einfach bei jedem Training ein kleines Stück besser werden als am Tag zuvor.

Wenn ich heute gefragt werde: „Warum Aikido?“, dann ist meine Antwort nicht mehr nur, dass ich es schon immer einmal ausprobieren wollte.

Ich mache Aikido, weil ich dabei nicht nur eine Kampfkunst lerne, sondern auch etwas über mich selbst. Weil ich lerne, dass Stärke nicht bedeutet, niemals zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen. Und weil ich auf diesem Weg noch so viel entdecken und lernen darf.

Vielleicht ist das erst der Anfang einer langen Reise. Aber ich freue mich auf jeden einzelnen Schritt.

(November 2026)